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Kapitel 1: Der Beginn
Es schneit und schneit und schneit und schneit. Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag. Mensch, Weihnachten mit richtig schönem Schnee! Die Heizung voll aufgedreht, die Musik im Hintergrund und kaum ein Auto auf der Straße. Bitte, lass jetzt kein blödes Streufahrzeug vorbeifahren! Es ist Zeit, Zeit für einen kleinen Bericht.
Nach drei Monaten schreibe ich jetzt endlich einen Bericht über eine Radtour von zwei Jungs, die sich einen Eindruck von einem anderen Kontinent machen wollten.
Die Idee für eine Radtour schmiedeten die Zwei schon vor vielen Jahren, als sie mit dem Rad durch die Alpen fuhren und Venedig erreichten. Da hieß es dann, wenn wir so einfach bis Venedig kommen, dann fahren wir, wenn wir groß sind, ganz einfach durch ganz Afrika. Erst mal kam das Abitur, dann kam einer von beiden noch an die Leine und diente seinem Land und endlich sollte es losgehen. Doch inzwischen mussten beide zugeben, dass sie nicht realistisch waren. So eine Tour ist teuer und so einfach kann man auch nicht durch Kriegsländer, Malariagebiete und dazu noch auf einem Fahrrad fahren. Es blieb also nur eine etwas ernüchternde Alternative, die aus Berlin bis an die Sandwüste zu fahren.
Am 06.06.2000 ging’s also los. Jens und Ich kauften uns jeder für die Tour ein neues Fahrrad. Koga Miyata. Eigentlich hofften wir, dass wir gesponsort werden würden von der Firma, aber das klappte leider nicht. Es war ein Tag, wie eben ein Tag so ist an einem 6.6.2000. Hätte ruhig etwas wärmer seien können und der Wind musste natürlich frontal auf uns einschlagen. Na toll, und das am ersten Tag.
Nach großer Verabschiedung bei mir zu Hause ging’s dann los, raus in Richtung Wannsee. Robert fuhr uns noch auf dem Roller hinterher, da Jens den Schlüssel vom Schloss vergessen hatte. So genossen wir den ersten Tag im Gegenwind und aßen Kirschen vom Baum am Straßenrand. Bald gelangten wir in ein kleines Örtchen namens Mützlitz, wo unsere Nachbarn Rumpeltes aus Berlin ein schönes Bauernhaus haben. Na ja, das Wetter war eben nicht so prall und so entschlossen wir uns nachzufragen, ob wir nicht dort nächtigen könnten, was auch möglich war. Morgens gab’s frische Eier aus eigener Zucht. Dann ging’s auch schon weiter immer dem Wind entgegen in Richtung Hohnhorst.
Die zweite Nacht nächtigten wir unter einer Hochspannungsleitung, aber das störte uns nicht groß, denn es war die erste Nacht im Zelt und, ich jedenfalls genoss das sehr. In meinem neuen Schlafsack, dem Zelt, das extra grün war, der bequemen Isomatte mit Luft gefüllt und dem Fahrrad, das draußen stand.
Am dritten Tag abends kamen wir in Hohnhorst an. Diese Strecke hatte ich mal mit dem Rad, allerdings ohne Gepäck an einem Tag geschafft. Julia und Wolf-Dieter waren auch gerade auf dem Weg mit dem Auto nach Hohnhorst. Es klingelte das Telefon. Wolf-Dieter: “Berni, wir sind liegen geblieben, ruf mal den Lübbe an und hol uns mit irgendeinem Auto ab und lass morgen den Bus abholen.“ Hmmm, gehört getan. Ich bekam ein Auto von Lübbe und raste die Strecke nach Berlin zurück, die wir zuvor mühevoll mit dem Rad abgefahren waren. Zwei Tage chillten wir noch bei schönem Wetter in Hohnhorst und dann ging’s wieder weiter, immer gen Westen in Richtung Amsterdam und dem Niederländischen Meer.
Wir übernachteten am Steinhuder Meer, einem der hässlichsten Seen auf der ganzen Welt! Dreckig und total überfüllt. Voller Graus fuhren wir weiter nach Hagen, das ist kurz unter Osnabrück, wo wir Dennis meinen Bundeswehrfreund besuchten. Osnabrück fand ich echt spitze. Abends sind wir noch was trinken gegangen und haben uns im Open Air Kino im Schlosshof „Being John Melcowitch“ umsonst angesehen. Zwei oder drei Nächte haben wir bei Dennis genächtigt und sind dann weiter zur Holländischen Grenze.